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    Hört auf, uns Frauen ständig Desinteresse an Finanzthemen zu unterstellen!

    In diversen Studien, aber auch in den Medien und in der Politik werden Frauen nach wie vor als untätig beschrieben, wenn es um ihre persönlichen Finanzen geht. Nicht ganz zu unrecht, wenn ich von meinem Pre-«Women and Finance»-Selbst ausgehe. Dass dieses Vorurteil aber Bullshit ist, habe ich während meinen Ferien an der Côte d’Azur erfahren.

    Vor gar nicht zu langer Zeit flog ich nach Nizza und habe mich dort in einer charmanten Künstler:innen-Villa eingemietet und das sogenannte «joie de vivre» par excellence zelebriert: Rosé, beurre salé mit Baguette und Klippensprünge ins kristallblaue Meer (natürlich oben ohne! Das ist very french, imfall) waren dort an der Tagesordnung. 

    So auch, als sich eine meiner fabelhaften Freundinnen aus London etwas später zu mir gesellte. Neben den üblichen Gesprächen über «Des Meeres und der Liebe Wellen» (so der hierzu sehr passende Name eines Werkes von Franz Grillparzer, Anm. d. Red.), tauchten irgendwann die Themen Vermögensaufbau sowie finanzielle Absicherung im Alter auf. 

    Von Fake-Fendi-Slider oder falschen Finanzprodukten

    Dieser auf Sie etwas abrupt wirkende Themenwechsel hatte aber eine ganz bestimmte Ursache. Genauer: Angekommen in Saint-Jean-Cap-Fefrat – meine Freundin und ich wollten eigentlich nur die dortigen Bademöglichkeiten erkunden – steuerten wir als erstes auf eine Boutique zu. Von aussen wie innen wirkte diese nämlich wie eine exklusive Second-Hand-Boutique auf uns, weshalb ich mir den Kauf von mit Fake Fur bestückten Slider (Sie können sich diese Strandschuhe wie Adiletten vorstellen, die auf dem grossen Gummiteil über ein grosses, kuscheliges Falschpelz-Teil verfügen) für umgerechnet 160 Franken nicht zweimal überlegt hatte. Schliesslich mussten diese doch von Fendi sein, non? Denkste!

    Am Strand angekommen, stellte ich fest, dass es sich bei besagten Slider um Fakes handelte, wohl mit Höchstwert von 20 Franken. Luxus-Second-Hand my ass! 

    Ärgerlich, n’est-ce pas? Was ich an dieser Stelle allerdings zugeben muss, ist ein solcher Fehlkauf kaum mit dem Ärger zu vergleichen, der sich ergibt, wenn Frau in falsche Finanzprodukte investiert. So zum Beispiel die Vorsorge praktisch zinslos auf einem Bankkonto zu deponieren – Sie erinnern sich bestimmt noch an meinen ersten Beitrag. Oder aber, die dritte Säule bei einer Versicherungsgesellschaft mit zu hohen Grundprämien abzuschliessen – wie es etwa Unternehmerin Bodmer in jungen Jahren passiert ist. Etwas, von dem meine innerlich wie äusserlich wunderschöne Begleitung ein Lied singen kann, wie sie mir nach diesem doch etwas misslungenen Einkaufserlebnis auf dem Weg zum Paloma Beach Club berichtete.

    Finanzgespräche unter Frauen im Private Beach Club 

    Gleich mal vorweg: Ein Tag im Paloma Beach Club ist es sowas von Wert: die Liegen sind nämlich ein Traum und der Service impeccable (nein, das ist keine bezahlte Werbung – I wish!). Das Nobel-Setting mit Blick auf die azurblaue Küste bot uns das perfekte Setting um weiterhin über Geld zu sprechen. Und darüber, warum Frauen und Männer (!) gelegentlich unüberlegte Investitionen tätigen. Schliesslich landeten wir beim sogenannten Gender Pay Gap. Kleiner Einschub für alle, die diesen Ausdruck noch nie gehört haben: 

    Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes (ohne Sonderzahlungen) der Frauen und Männer im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Oder kurz: das, was Männer mehr erhalten, für den gleichen Job: 

    In der Schweiz sieht dieser gemäss einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Statistik vom Februar 2021 so aus: «Im Jahr 2018 waren in der Gesamtwirtschaft 60,90 Prozent der Arbeitnehmenden, deren monatlicher Lohn für eine Vollzeitstelle unter 4’000 Franken liegt, Frauen. Umgekehrt waren die Arbeitnehmenden im obersten Segment der Lohnpyramide mit einem Lohn von mehr als 16’000 Franken zu 81,20 Prozent Männer.» 

    Woran dieser krasse Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern liegt, werde ich in einem meiner kommenden Blogbeiträge erforschen. Versprochen!
     

    Nackte Perfomance allein, reicht nicht 

    Anyhoo (um Warden Wells, eine Persona aus der Netflix-Serie The I-Land zu zitieren): Nach der Diskussion über den Gender Pay Gap unterhielten wir uns Finanzprodukte und Geldanlagen. Selbstverständlich erzählte ich ihr begeistert von meinem fantastischen Altersvorsorgepaket, das auf effizienten Wertschriftenportfolios basiert und natürlich auch über den daraus für mich entstandenen Gewinn. Ihre Begeisterung dazu hielt sich, ehrlich gesagt, in Grenzen. Vielmehr wollte sie von mir wissen – meine Freundin ist Entrepreneurin und setzt sich aktiv mit der Entwicklung von Finanz- sowie Börsenmärkten auseinander – warum mein Investment nicht 10 Prozent Gewinn jährlich abwirft. Diesen bübischen Grössenvergleich konnte ich bei aller Liebe zu meiner Freundin nicht auf mir sitzen lassen und rief kurzerhand meine Finanz-Schätzis vom Paloma Beach aus an. 

    Und ich habe folgende, zutiefst befriedigende Antwort von den Jungs erhalten: Eine finanzielle Performance – quasi nackt betrachtet – sagt nichts aus. Vielmehr geht es darum zu wissen, wie hoch die Aktienquote, beziehungsweise das eingegangene Risiko, ist. Und dieses leitet sich vom jeweiligen Anlageprofil ab, das meine objektive Risikofähigkeit (also meinen Anlagehorizont sowie meine aktuelle finanzielle Situation) berücksichtigt und meine subjektive Risikoneigung. Mit Letzterer ist mein Finanzwissen und die bisherige, persönliche Erfahrung in Sachen Aktien- und Börsenmärkten gemeint. Wie wir seit meinem letzten Blogbeitrag wissen, besteht hier meinerseits noch Aufholbedarf.

    til: Die Performance steht also im Zusammenhang mit der Risikobereitschaft. Je höher die Aktienquote, desto höher (langfristig) die erwartete Rendite – aber auch grösser die Wertschwankungen. Oder einfach gesagt: 

    Me, myself and Finance

    Logisch machte ich mich zurück in Zürich, online à la Bosslady und Sängerin Beyoncé schlau. Dabei bin ich unter anderem auf die im Juli veröffentlichte UBS Women’s Wealth Studie 2021 gestossen. Diese besagt, dass Frauen zwar mehr über ihre persönlichen Finanzen wissen wollen, sich aber trotzdem nicht damit beschäftigen. Really?!

    Kurz zusammengefasst: Die Studie zeigt, dass sich Frauen in der Schweiz oftmals weniger mit langfristigen Finanzthemen, wie dem Vermögensaufbau, auseinandersetzen. Oder direkt aus der Studie entnommen: «1 von 5 Frauen gaben an, sich für das Thema Vermögensaufbau zu interessieren, noch weniger (15 Prozent) setzen sich mit der Entwicklung der Finanz- und Börsenmärkte auseinander.» Gleichzeitig gibt in dieser Studie jedoch die Hälfte der befragten Frauen an, dass sie sich mehr mit Finanzprodukten und Geldanlagen beschäftigen sollten – gerade, weil sich die Mehrheit um ihre finanzielle Absicherung im Alter sorgt.
     

    Magenbrennen ahoi

    Ich muss an dieser Stelle kaum erwähnen, dass mir diese Studie sauer aufgestossen ist. Zum einen, weil sie irgendwo recht hat – Asche auf mein Pre-«Woman and Finance»-Haupt – andererseits der Ursache nicht auf den Grund geht. Also, warum sich Frauen trotz erhöhtem Bewusstsein nicht mit Finanzthemen beschäftigen. Zudem bietet diese Studie auch keine Lösung an, von Eigenmarketing (talking to you UBS) mal abgesehen, an.

    Insbesondere Letzteres macht mich so richtig hässig. Denn wie ich aus eigener Erfahrung weiss, werden Frauen von Banken gerade in solchen Themen oft von oben herab behandelt. Von wegen: Wir werden wie Dummchen behandelt, die keine Ahnung haben und bekommen darum bestenfalls vorgefertigte Anlagepakete serviert, statt dass unsere Fragen beantwortet werden.
     

    Der Silberstreifen am Horizont

    Umso mehr schätze ich Papers wie jenes von der OECD, die Empfehlungen abgeben, wie weibliche Bedürfnisse hinsichtlich Finanzwissen besser bedient werden können. Und natürlich auch meine höchstpersönlichen Finanz-Schätzis, die mir selbst bei für Finanz-Profis dummen Fragen, auf Augenhöhe begegnen. 

    Was ich mit diesem Beitrag eigentlich sagen möchte: Liebe Frauen, es gibt keinen Grund, dass wir uns für irgendwelche Fehlkäufe schämen und schon gar nicht von sogenannten Finanzprofis für dumm verkaufen lassen. Informiert euch und nehmt eure persönlichen Finanzen selbst in die Hand. Ich jedenfalls, versuche gerade mit gutem Beispiel voranzugehen. 

    That’s all.

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