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    Wie funktioniert die zweite Säule in der Schweiz?

    Die zweite Säule ist die berufliche Vorsorge. Zusammen mit der staatlichen Vorsorge (erste Säule) und der privaten Vorsorge (dritte Säule) soll der Lebensstandard auch nach der Pensionierung gesichert werden.
     

    Einzahlung in die 2. Säule

    Der Arbeitgeber kümmert sich um den Anschluss an eine Pensionskasse. Er bezahlt die BVG-Beiträge für seine Angestellten direkt dort ein. Dabei zieht er den Arbeitnehmenden einen monatlichen Betrag direkt vom Lohn ab. Im BVG wird verlangt, dass der Arbeitgeber für mindestens die Hälfte der Prämien aufkommen muss. Das bedeutet, dass er den Betrag, den er den Angestellten für die BVG-Vorsorge jeden Monat abzieht, in doppelter Höhe an die Pensionskasse einzahlt. 

    Die Beträge, die Arbeitnehmende monatlich an die Pensionskasse entrichten müssen, sind im Rahmengesetz BVG wie folgt definiert:

     
    Alterskategorie Sparbetrag in % vom versicherten Lohn

    25-34

    7%

    35-44

    10%

    45-54

    15%

    55-64/65

    18%

     

     

     

     

     

    Das sind die gesetzlichen Mindestvorgaben. Es steht dem Arbeitgeber frei, eine Pensionskassenlösung zu treffen, welche über diese gesetzliche Bestimmungen hinauszugehen. Dies ist für die versicherten Personen nach der Pensionierung vorteilhaft, wie nachfolgendes Rechenbeispiel zeigt. Nebst den monatlichen Einzahlungen wird den Versicherten auch der jährliche Zins auf dem angesparten Kapital gutgeschrieben. Zur Verzinsung gibt es von den Behörden eine Vorgabe: Für die Jahre 2020 und 2021 liegt der Mindestzinssatz bei 1 Prozent.
     

    Rechenbeispiel BVG-Pensionskasse

    Gesetzliches Minimum

    Frau Siegrist ist 49 Jahre alt und verdient 90'000 Franken pro Jahr. Die Firma ist zum gesetzlichen Minimum versichert, was bedeutet, dass in der Pensionskasse ein Lohn von 60'435 Franken versichert ist (siehe Abschnitt über Grenzbeträge weiter unten). Ihr werden folglich jedes Jahr 15 Prozent vom versicherten Lohn auf das individuelle PK-Konto gutgeschrieben – davon bezahlt der Arbeitgeber mindestens die Hälfte. Konkret bedeutet das für Frau Siegrist einen monatlicher Lohnabzug von 378 Franken (60'435 x 15% : 2 : 12), welcher ihrem Konto bei der Pensionskasse gutgeschrieben wird. Zusammen mit dem Anteil des Arbeitgebers, der nochmals den gleichen Betrag auf ihr Konto einzahlt, werden monatlich 756 Franken gespart. Bis zur Pensionierung in 15 Jahren hat sie ein BVG-Kapital von 300'000 Franken (Schätzung, die vorher angespartes Kapital und Zins berücksichtigt). Bei einem Umwandlungssatz von 6,80 Prozent erhält Frau Siegrist eine lebenslängliche Pensionskassenrente von jährlich 20'400 Franken beziehungsweise 1'700 Franken pro Monat.

    Jahreslohn

    CHF 90'000.–

    Versicherter Lohn

    CHF 60'435.–

    Sparbeitrag 49-Jährige: 

     15%

    Monatlicher Sparbetrag Total:  

     CHF 756.– 

    Davon Anteil Arbeitnehmerin:

     CHF 378.–

    Davon Anteil Arbeitgeber:

     CHF 378.–

    Rente nach Pensionierung:

    CHF 1'700.– monatlich

     

     

     

     

     

     

    > Mehr zum Umwandlungssatz: «Was ist die berufliche Vorsorge?» (Blogpost)


    Überobligatorische Leistungen

    Hier sind die Leistungen höher als es das Gesetz verlangt. Frau Siegrist ist 49 Jahre alt und verdient 90'000 Franken pro Jahr. Einen Koordinationsabzug gibt es nicht, was bedeutet, dass in der Pensionskasse ein Lohn von 90'000 Franken versichert ist (überobligatorische Leistung). Ihr werden folglich jedes Jahr 15 Prozent vom versicherten Lohn auf das individuelle PK-Konto gutgeschrieben – davon bezahlt der Arbeitgeber mindestens die Hälfte. Konkret bedeutet das für Frau Siegrist einen monatlicher Lohnabzug von 563 Franken (90'000 x 15% : 2 : 12), welcher ihrem Konto bei der Pensionskasse gutgeschrieben wird. Zusammen mit dem Anteil des Arbeitgebers, welcher nochmals den gleichen Betrag auf Ihr Konto überweist, werden monatlich 1'126 Franken gespart. Bis zur Pensionierung in 15 Jahren hat sie ein Freizügigkeitskapital von CHF 450'000 (Schätzung, die bestehendes Guthaben und Zinsen berücksichtigt). Bei einem Umwandlungssatz von 5,50 Prozent* erhält Frau Siegrist eine lebenslängliche Pensionskassenrente von jährlich 24'750 Franken beziehungsweise 2'063 Franken pro Monat.

    Jahreslohn

    CHF 90'000.–

    Versicherter Lohn

    CHF 90'000.–

    Sparbeitrag 49-Jährige: 

     15%

    Monatlicher Sparbetrag Total:  

     CHF 1'126.–

    Davon Anteil Arbeitnehmerin:

     CHF 563.–

    Davon Anteil Arbeitgeber:

     CHF 563.–

    Rente nach Pensionierung:

    CHF 2'063.– monatlich

     

     

     

     

     

     

    *Hinweis zum Umwandlungssatz von 5,50 Prozent: Da die Pensionskasse einen höheren Lohn versichert als es das Rahmengesetz verlangt, kann der Umwandlungssatz reduziert werden. In einer Schattenrechnung wird aber geprüft, ob mit dieser Vorgehensweise der Rentenanspruch mindestens den gesetzlichen Vorschriften – dem Rahmengesetz BVG – entsprochen wird. Ist dies der Fall, kann der reduzierte Umwandlungssatz angewandt werden, weil immer noch mindestens die Leistungen gemäss BVG ausgerichtet werden. Wäre es anders, müsste der Umwandlungssatz entsprechend erhöht werden. 


    Aktuelle Grenzbeträge 2. Säule Schweiz

    Massgebend sind folgende Kennzahlen (Stand: 2020):

    Mindestjahreslohn (Eintrittsschwelle) 

    CHF 21'330

    Koordinationsabzug

    CHF 24'885

    Minimal versicherter Lohn im BVG   

    CHF 3'555

    Maximal versicherter Lohn im BVG

    CHF 60'435

    Oberer BVG-Grenzbetrag

    CHF 85'320

     

     

     

     

     

    2-saeule-schweiz-grenzbetraege

    Quelle: Iwan Brot, Vorsorgeplanung im BVG & UVG inkl. private Finanzplanung, 2019


    Eintrittsschwelle
    Erst wer ein Jahreseinkommen von mehr als 21'330 Franken (75 Prozent der maximalen AHV-Vollrente) verdient, muss vom Arbeitgeber obligatorisch in der Pensionskasse versichert werden.

    Koordinationsabzug
    Ist ein Anschluss an die Pensionskasse vorzunehmen, werden die Leistungen aus der ersten Säue mit der aus der zweiten koordiniert. Deshalb wird üblicherweise ein Koordinationsabzug bei der Pensionskasse vorgenommen. Im Rahmengesetz BVG ist dieser aktuell mit 24'885 Franken definiert (87,50 Prozent der maximalen AHV-Vollrente). 

    Versicherter Lohn
    Wenn jemand ein Jahreslohn (Brutto) von 74'885 Franken bezieht, wird davon der Koordinationsabzug subtrahiert. Dies führt zum versicherten Lohn in der Pensionskasse. Im Beispiel beträgt der versicherte Lohn 50'000 Franken (Bruttolohn abzüglich Koordinationsabzug). Der versicherte Lohn ist die Basis für die Erhebung der Beiträge.

    Minimal versicherter Lohn
    Wenn jemand einen Bruttolohn von jährlich 24'000 Franken bezieht, wäre nach dem Koordinationsabzug von 24'885 Franken der versicherte Lohn negativ bzw. Null. Für solche Fälle hat der Gesetzgeber definiert, dass der minimal zu versichernde Lohn immer 150 Prozent der maximalen monatlichen AHV-Vollrente (aktuell 2'370 Franken) entsprechen muss. Aktuell beträgt daher der minimal versicherte Lohn 3'555 Franken (150 Prozent von der maximalen monatlichen AHV-Vollrente).

    Oberer BVG-Grenzbetrag
    Im Rahmengesetz BVG ist festgehalten, dass der gemeldete Jahreslohn nach oben begrenzt ist. Dieser entspricht 300 Prozent der maximalen jährlichen AHV-Vollrente von aktuell 28'440 Franken. Aktuell beträgt der obere BVG-Grenzbetrag daher 85'320 Franken. Der Lohnanteil über diesem Grenzbetrag muss von Gesetzes wegen nicht zwingend versichert werden, darf aber. Der Grossteil der Pensionskassen bringt höhere Leistungen als es das Gesetz vorsieht. 

    Maximal versicherter Lohn
    Das bezieht sich wiederum auf das Rahmengesetz BVG und entspricht dem oberen BVG-Grenzbetrag abzüglich dem Koordinationsabzug. Aktuell liegt dieser Wert bei 60'435 Franken.


    Auszahlung der 2. Säule

    Zirka zehn Jahre vor der Pensionierung sollte man sich mit der Frage auseinandersetzen, ob das angesparte Guthaben in Renten- oder Kapitalform bezogen werden soll – vorausgesetzt das Pensionskassenreglement lässt ein Kapitalbezug zu 100 Prozent überhaupt zu.

    Der Vorteil beim Rentenbezug liegt in der Sicherheit, da die Rente bis an Lebensende ausbezahlt wird. Je nach Familienkonstellation wird im Todesfall auch eine lebenslange Witwen-/Witwerrente bezahlt. Die Rente gibt also eine Planungssicherheit und das Langlebigkeitsrisiko liegt bei der Pensionskasse. Der Nachteil liegt in der Besteuerung der Rente, da diese zu 100 Prozent besteuert wird, zusammen mit allen anderen Einkommen wie zum Beispiel der AHV-Rente. 

    Beim Kapitalbezug erhält man das angesparte Kapital als freies Vermögen und kann es wieder investieren. Man kann frei entscheidenn, wie und wo das Nettokapital investiert wird, für welche Projekte (z.B. Autokauf, Amortisation Hypothek, Weltreise…) und wann es hierfür zur Verfügung stehen muss. Da die Auszahlungssumme einmalig besteuert wird, kann für das Projekt nicht mit dem vollen Betrag geplant werden. Die einmalige Steuer liegt im Bereich von 5 bis 15 Prozent –  abhängig von Kantonen, Gemeinden, Kirchen und Tarifanwendungen. Pauschal mit zehn Prozent der ausbezahlten Summe zu rechnen ist ein guter Schätzwert. Das Langlebigkeitsrisiko wird nun selbst getragen. Zugleich sind Anlageentscheidungen zu treffen – selbst wenn ein Vermögensverwaltungsmandat erteilt wird, muss entschieden werden, mit welcher Anlagestrategie es investiert werden soll.

    Die Mischform – ein Teil als Rente, ein Teil als Kapital – ist immer häufiger anzutreffen. In Abhängigkeit des Budgets nach der Pensionierung ist zu entscheiden, welcher Anteil der Budgetlücke mit einer fixen Rente gedeckt werden soll. Dafür benötigt die Pensionskasse dann das Kapital X, der Rest vom Altersguthaben wird einmalig ausbezahlt.


    Vorzeitiger Bezug

    Der vorzeitige Bezug von Vorsorgegeldern aus der zweiten Säule ist in folgenden Fällen möglich:

    • Erwerb von dauernd selbstgenutztes Wohneigentum
    • Aufnahme einer Selbständigkeit (Achtung, bei Gründung einer GmbH oder AG liegt keine Selbständigkeit vor und das Geld kann nicht bezogen werden)
    • Frühpensionierung gemäss Pensionskassenreglement.


    Auszahlung der Freizügigkeitsleistung wegen Unterbruch des Anstellungsverhältnisses

    Bei Unterbruch der Erwerbstätigkeit – zum Beispiel Mutterschaft, Weltreise oder Arbeitslosigkeit –  muss das bestehende Freizügigkeitsguthaben einer Freizügigkeitseinrichtung anvertraut werden. Hierzu bieten Banken, Vermögensverwaltung und Versicherungen diverse Möglichkeiten an. Wenn die versicherte Person der bisherigen Pensionskasse keine Instruktionen erteilt, überweist diese das angesparte Guthaben an die Auffangeinrichtung, wo das Geld für die Person geführt wird. 

    Geld, das auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen wird, liegt dort zwar risikoarm aber erwirtschaftet auch keine Rendite. Dies macht nur dann Sinn, wenn die Gelder ohne langen Anlagehorizont investiert werden müssten – oder wegen fehlender Risikofähigkeit/-neigung. Können die Gelder aber mit einem längeren Anlagehorizont angelegt werden, ist die Alternative mit Wertschriftenlösungen zu prüfen. Zwar führt dies zu Vermögensschwankungen, welche aber mit gutem Gewissen eingegangen werden kann, da die Risiken dank des langfristigen Anlagehorizont merklich reduziert sind. Bei den Wertschriftenlösungen können unterschiedlich hohe Aktienquoten gewählt werden. Je höher die Aktienquote, desto heftiger zwar die Vermögensschwankungen, dafür aber auch umso höhere Renditeaussichten. Zins und Zinseszinseffekt lässt grüssen.

    Mit unserem Pensionskassenrechner können verschiedene Szenarien gerechnet werden mit verschieden hoher Aktienquote und unterschiedlichen Anlagehorizonten. 

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